Von der Hand ins Auge — die KI zeichnet einen Eingabeplan, der Mensch prüft
Ein Sprachmodell zeichnet an einem Tag den Eingabeplan für ein Einfamilienhaus, ohne dass ein Mensch eine Linie zieht. Der Prüfer notiert 36 Befunde, acht davon in der Konstruktion. Das Zeichnen verschwindet nicht, es wandert von der Hand ins Auge.
Worum es geht: um die Frage, ob das Zeichnen von Bauplänen noch die Kernkompetenz eines Berufs sein kann, der bis zum 31. Juli 2026 Bauzeichner hieß. Seit dem 1. August heißt er Bautechnischer Konstrukteur, und die Diskussion darüber, was künstliche Intelligenz an ihm ersetzt, wird meist mit Prognosen geführt. Dieser Text setzt eine Messung dagegen: Ein Sprachmodell hat für ein Einfamilienhaus einen vollständigen Plansatz bis zum Eingabeplan gezeichnet, und ich habe jede Fassung geprüft und jeden Einwand gezählt.
Der Prüfkörper ist klein und klar umrissen. Ein Einfamilienhaus ohne Keller, 11 × 15 Meter, Erdgeschoss und ausgebautes Dachgeschoss mit Kniestock, Satteldach mit 25 Grad Neigung, auf einem Hanggrundstück, das unter dem Haus nach Osten um rund 1,7 Meter fällt. Daraus entstanden am 12. Oktober 2026 drei Blätter im Format A3, zwei Grundrisse und ein Querschnitt im Maßstab 1:100 sowie ein Treppenschnitt 1:50, und am selben Abend ein Eingabeplan von 594 × 1.261 Millimetern mit vier Ansichten und Lageplan. Gezeichnet hat das Modell Claude von Anthropic, geprüft habe ich, und zwar allein. Eine Linie habe ich nicht gezogen. Am 13. Oktober kam ein Nachtrag hinzu.
Das Ergebnis in einem Satz: Das Zeichnen verschwindet nicht aus dem Beruf, es wechselt den Ort. Es wandert von der Hand ins Auge. Ungeprüft hätte man das Haus falsch gebaut. Gefunden hat die Fehler, wer die Zeichnung lesen konnte.

Der Anlass
Für meinen Unterricht brauchte ich ein Referenzhaus mit einem Plansatz, an dem eine Klasse das Haus in einem CAD-Programm selbst nachbaut: Gründung am Hang, Rohbau, Treppe, Dach. Der Plansatz sollte so aussehen wie ein Plan aus einem Büro, also nach DIN 1356-1 dargestellt. Diese Norm ist zurückgezogen und seit Januar 2025 durch DIN EN ISO 7519 ersetzt; im Planungsalltag und in der Ausbildung ist sie aber weiter der Bezug, und ich habe mich auf sie bezogen.
Den Weg dorthin kannte ich aus einer früheren Untersuchung. In Der Quelltext sagt, was das Werkzeug tut hatte ein Sprachmodell mit mir über sechzehn Sitzungen eine Stilvorlage für Pläne nach DIN 1356-1 aufgebaut: Schraffuren, Linienstärken, Maßzahlen mit hochgestellter Millimeterstelle, Höhenkoten. Diesmal sollte es diese Vorlage nicht bauen, sondern benutzen, und zwar für ein ganzes Haus.
Die These, wie sie in der Diskussion steht
Die schärfste Fassung kommt vom Institut für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung. Der Job-Futuromat des IAB schätzt für jeden Beruf, welcher Anteil der Kerntätigkeiten technisch ersetzbar ist. Für den Bauzeichner liegt dieses Substituierbarkeitspotenzial nach der Erhebung von 2022 bei 100 Prozent: Alle neun Kerntätigkeiten gelten als technisch ersetzbar, darunter Bauzeichnen, Bemaßen und Beschriften, aber auch Baukonstruktion, Detailkonstruktion und Entwurf. So hat es Dr. Web am 19. August 2026 zusammengefasst.
Die Ausbildungsordnung zieht daraus nicht den Schluss, den Beruf abzuschaffen, sondern verschiebt das Gewicht. In der Fachrichtung Architektur verlangen zwei Prüfungsbereiche Modellarbeit, zusammen 65 Prozent der Abschlussnote; 35 Prozent fallen in einem Fachgespräch, in dem der Prüfling seine Vorgehensweise begründet. Wie sich das zusammensetzt, steht in Was macht ein Bautechnischer Konstrukteur? und in Die Hälfte der Note fällt im Gespräch.
Ich habe beides auf ein Poster gebracht, das am 13. Oktober 2026 auf LinkedIn erschienen ist, unter dem Satz Weniger zeichnen. Mehr verantworten. Die These dieses Textes ist dieselbe, nur genauer gefasst: Das Zeichnen selbst übernimmt die Maschine. Was beim Menschen bleibt, ist das Prüfen, und zwar das Prüfen der Konstruktion. Ob das trägt, sollte der Plansatz zeigen.
Der Aufbau
Das Werkzeug. Claude arbeitete in einer abgeschotteten Linux-Umgebung in der Cloud mit Python. Es schrieb ein Skript, das jede Zeichnung als SVG-Datei in Millimetern erzeugt; Playwright mit dem Browser Chromium setzt daraus PDF-Dateien in Blattgröße. Fassungen und Daten stehen im Kasten am Ende dieses Abschnitts. Das Gelände kam aus dem amtlichen Höhenmodell DGM1 der Bayerischen Vermessungsverwaltung; für den Lageplan des Eingabeplans kam ein Ausschnitt aus dem Liegenschaftskataster dazu.
Kein BIM-Modell. Das ist der wichtigste Punkt des Aufbaus, und er steht deshalb hier und nicht erst bei den Grenzen. Das Skript leitet die Pläne nicht aus einem Bauwerksmodell ab. Es kennt die Maße des Hauses als Zahlen und zeichnet daraus jede Ansicht für sich: den Grundriss, den Schnitt, die Ansicht. Dass die Pläne zueinander passen, liegt daran, dass alle dieselben Zahlen lesen, nicht an einem gemeinsamen Modell.
Was vorgegeben war und was nicht. Außenmaß, Wandaufbau, Raumprogramm, Treppenart und Satteldach stammen aus meinem Referenzprojekt. Den Grundriss hat Claude vorgeschlagen, ich habe ihn angenommen. Höhen, Kniestock und Treppengeometrie hat Claude gerechnet: 16 Steigungen von 17,66 Zentimetern bei 27 Zentimetern Auftritt, einen Kniestock von 87,5 Zentimetern, damit das Dachgeschoss nach der bayerischen Regel kein Vollgeschoss wird. Die Tragstruktur hat es nach eigener Angabe plausibel gesetzt, nicht bemessen.
Der Ablauf. Claude zeichnete ein Blatt, sah sich das gerenderte Bild selbst an, beseitigte Überschneidungen von Texten und Linien und legte mir das Blatt vor. Ich las es, wie ich einen Plan aus einem Büro lese, und schrieb meine Einwände in Alltagssprache in das Gespräch, mehrere auf einmal. Claude setzte sie um, und die nächste Fassung kam. Eine solche Runde nenne ich eine Durchsicht.
Was gezählt wurde. Jeder Einwand, den ich formuliert habe, ist ein Befund. Was Claude vor der Vorlage selbst korrigiert hat, zählt nicht mit; was es nach der Vorlage selbst gefunden hat, führe ich getrennt. Geht derselbe Einwand an zwei Blätter, zähle ich ihn einmal. Wünsche, die neuen Inhalt verlangen, wie die Ansichten und den Lageplan, sind keine Befunde. Die Befunde habe ich nachträglich in vier Gruppen geordnet:
| Gruppe | Was darunter fällt |
|---|---|
| A · Konstruktion | Ein Bauteil wäre so falsch gebaut worden oder fehlte |
| B · Planinhalt | Etwas, das ein Fachmann auf dem Plan erwartet, fehlte oder war falsch bezogen |
| C · Zeichenregel | Gegen die Darstellungsregeln der Norm oder des Hausstils gezeichnet |
| D · Blattaufbau | Lage, Größe und Ordnung der Elemente auf dem Blatt |
Messstand: Plansatz BT33-101 bis -103 gezeichnet und geprüft am 12. Oktober 2026 in einer Sitzung mit Claude von Anthropic, Modell laut Sitzungskonfiguration Claude Opus 5.5, mit Python 3.13.16, NumPy, Pillow sowie Playwright 1.56.0 und Chromium 141.0.7390.37. Den Eingabeplan BT33-110 hat am selben Abend eine zweite Claude-Sitzung mit demselben Skript gebaut, den Nachtrag vom 13. Oktober eine dritte; deren Umgebung ist hier nicht erhoben. Das Erzeugerskript hatte am 13. Oktober 1.582 Zeilen in 65 Funktionen. Gelände: DGM1, Grundstücksgrenzen: ALKIS, beide Bayerische Vermessungsverwaltung – www.geodaten.bayern.de, CC BY 4.0, bearbeitet.
Die Messungen
Der Zeitrahmen. Die vier Durchsichten des A3-Plansatzes lagen am 12. Oktober zwischen 15:27 und 16:17 Uhr, ein weiterer Befund folgte um 16:33 Uhr. Der Eingabeplan entstand danach zwischen 16:43 und 18:20 Uhr. Am 13. Oktober um 8:04 Uhr kam der letzte Befund dazu. Wie lange ein Mensch für dieselben Blätter von Hand gebraucht hätte, habe ich nicht gemessen; ein Vergleich ist deshalb nicht Teil dieses Textes.
Das Ergebnis in Zahlen. Vier Blätter: Grundrisse, Querschnitt und Treppenschnitt im Format A3, dazu der Eingabeplan im verlängerten Format A2 × 3. Darauf stehen zwei Grundrisse, zwei Schnitte, vier Ansichten, ein Lageplan im Maßstab 1:500 mit Abstandsflächen und ein Nachweis der Abstandsflächen nach Art. 6 der Bayerischen Bauordnung. Was eine Bauzeichnung für den Bauantrag in Bayern zeigen muss, regelt die Bauvorlagenverordnung in den §§ 7 und 8. Claude hat sie am 12. Oktober nachgelesen und den Plan danach aufgebaut.
Die Befunde. 36 Einwände, verteilt auf die vier Gruppen:
| Gruppe | Befunde | Anteil |
|---|---|---|
| A · Konstruktion | 8 | 22 % |
| B · Planinhalt | 5 | 14 % |
| C · Zeichenregel | 13 | 36 % |
| D · Blattaufbau | 10 | 28 % |
| Summe | 36 | 100 % |
Die vollständige Liste steht am Ende dieses Textes. Drei Befunde zeigen besser als jede Zahl, worum es geht.
Die Firstpfette hing in der Luft. Der Querschnitt der ersten Fassung zeigte ein sauber schraffiertes Haus mit Fußpfetten auf dem Kniestock und einem Dachpaket, das sich im First trifft. Was fehlte, war das Bauteil, auf dem die Sparren im First liegen. Bei einem Pfettendach über 15 Meter Länge, mit nichts darunter als Trockenbauwänden, ist das kein Darstellungsfehler. Meine Frage im Gespräch lautete: Wie ist die Firstpfette gelagert? Die Antwort war: gar nicht. Jetzt liegt sie auf zwei Holzstützen mit Kopfbändern, die ihre Last über die Decke in die tragende Innenwand und das Auflager des Unterzugs abgeben.

Die Treppe passte in den Rohbau, aber nicht in das Haus. Claude hatte die 16 Steigungen von Rohfußboden zu Rohdecke gerechnet. Auf beiden Ebenen liegt aber ein Fußbodenaufbau von 15 Zentimetern, auf den Stufen ein Belag von 2 Zentimetern. Die ganze Treppe musste um 13 Zentimeter nach oben. Danach folgten in drei weiteren Durchsichten der Fußpunkt, der nur mit einem schmalen Streifen von 7,5 Zentimetern auf der Bodenplatte stand, die Austrittsstufe, die zum Betonteil gehört, die Deckenöffnung, die dafür 15 Zentimeter länger werden musste, und die Laufplatte, die nicht in die Unterkante der Decke lief. Fünf der acht Konstruktionsbefunde betreffen diese eine Treppe.

Die Außentreppe fehlte. Die Haustür liegt an der Ostseite, das Gelände davor rund 1,86 Meter unter dem fertigen Fußboden. In der Lösung zu einer Übung, die Claude am selben Tag geschrieben hatte, stand der Satz, die Haustür werde über eine Außentreppe erreicht. Gezeichnet hat es sie trotzdem nicht, in keinem Blatt. Aufgefallen ist es mir um 16:33 Uhr, nachdem ich den Plansatz für fertig erklärt hatte.
Was Claude selbst gefunden hat. Drei Fehler im eigenen Skript, jeweils ohne Hinweis von mir: Ein Stilblock überschrieb alle einzelnen Schriftgrößen, sodass Titel in Normalschrift erschienen. Eine Höhenkote am Podest stand als +1.59² statt +1.59³ auf dem Plan, weil die Gleitkommazahl knapp unter dem halben Millimeter lag, derselbe Fehlertyp wie die 0.74 in Der Quelltext sagt, was das Werkzeug tut. Und im Eingabeplan rückten die Maßketten des Obergeschosses mit der neu eingefügten Terrasse des Erdgeschosses nach unten. Alle drei sind Fehler in der Darstellung; einen Fehler in der Konstruktion hat Claude nicht gefunden.
Der Befund, der gegen die These arbeitet
Die These lautete: Das Zeichnen übernimmt die Maschine, beim Menschen bleibt das Prüfen der Konstruktion. Die Zahlen sagen etwas Unbequemeres. Nur 8 der 36 Befunde betrafen die Konstruktion. 28, also mehr als drei Viertel, betrafen die Zeichnung: was sie zeigt, wie sie es zeigt und wo es auf dem Blatt steht.
Darunter sind Fehler, die nur sieht, wer Zeichenregeln kennt. Die Türbögen liefen in der ersten Fassung nicht um das Türband, sondern als falscher Kreisbogen. Die Teile der Treppe über der Schnittebene des Grundrisses waren voll gezeichnet statt gestrichelt. Im Schnitt fehlten die Bauteile, die man hinter der Schnittebene sieht, also Fenster und Türen in Blickrichtung. Die Höhenkoten trugen Namen wie OK Rohdecke, wo nach Büropraxis die Zahl allein steht. Für einen Laien hätte jeder dieser Pläne fertig ausgesehen.
Daraus folgt: Das Zeichnen verschwindet nicht aus dem Beruf, es wechselt den Ort. Es wandert von der Hand ins Auge. Wer einen Plan prüfen soll, den eine Maschine gezeichnet hat, muss die Regeln genauso gut kennen wie jemand, der ihn selbst zeichnet, vielleicht besser, denn er muss den Fehler finden, ohne ihn gemacht zu haben. Für den Futuromat ist Bauzeichnen eine ersetzbare Tätigkeit. In diesem Versuch war das Zeichnen ersetzbar, das Lesen der Zeichnung nicht.
Und auch die zweite Hälfte der IAB-Liste hält dem Versuch nicht stand. Baukonstruktion steht dort ebenfalls als ersetzbar. Hier hat die Maschine eine Treppe falsch an die Decke angeschlossen, eine Firstpfette vergessen, eine Außentreppe weggelassen und eine Dämmung unter der Bodenplatte nicht gezeichnet. Gefunden hat das alles der Mensch.
Die Grenzen
Ein Haus, ein Prüfer. Gemessen ist an einem einfachen Einfamilienhaus, und der Prüfer war ich, also derselbe, der die Hausvorgabe mitbestimmt und den Test aufgesetzt hat. Was mir nicht aufgefallen ist, steht nicht in der Liste. Ein unabhängiger zweiter Prüfer hätte vermutlich mehr gefunden; wie viel mehr, weiß ich nicht.
Die Einteilung ist meine. Ob die fehlende Brüstungshöhe ein Befund zum Planinhalt ist oder zu den Zeichenregeln, darüber kann man streiten. An der Größenordnung ändert es nichts: Selbst wenn alle Befunde der Gruppe B zur Konstruktion zählten, betrifft die Mehrheit die Zeichnung.
Kein Modell, keine Ableitung. Weil das Skript jede Ansicht für sich zeichnet, sagt dieser Test nichts darüber, wie gut ein Sprachmodell Pläne aus einem BIM-Modell ableitet. Einige Befunde, etwa die fehlenden Bauteile in Blickrichtung, wären bei einer Ableitung aus einem Modell gar nicht entstanden. Andere, die Firstpfette etwa, wären im Modell genauso gefehlt.
Keine Bauvorlage, keine Statik. Der Eingabeplan trägt den Vermerk Unterrichtsbeispiel – keine Bauvorlage. Er ist keinem Bauamt vorgelegt worden. Die Tragstruktur ist nach meiner Durchsicht plausibel, aber nicht bemessen.
Ein Sprachmodell, drei Sitzungen. Gearbeitet wurde mit Claude an zwei Tagen in drei Sitzungen; die Fassungsangaben stammen aus der ersten. Ein anderes Modell oder eine spätere Fassung kann andere Fehler machen. Die Kosten der Sitzungen habe ich nicht erhoben.
Ein Bild ist bewusst nicht Teil der Messung. Auf dem Eingabeplan steht ein Schaubild des Hauses, das ein Bildgenerator aus einer Blender-Darstellung erzeugt hat. Es erfindet Nachbarhäuser und lässt das Geländer der Terrasse weg. Für ein Unterrichtsbeispiel habe ich das hingenommen; für einen echten Bauantrag wäre es nicht zu vertreten. Es steht deshalb weder in der Zählung noch in den Abbildungen dieses Textes.
Was daraus folgt
Für die Praxis: Die Prüfung braucht eine Liste, und die Liste kommt aus der Konstruktion. Aus den 36 Befunden lassen sich Prüffragen ableiten, die für jeden maschinell gezeichneten Plan gelten:
- Ist jedes Bauteil gelagert? Für jede Last, vom First bis zur Sohle, einmal den Weg verfolgen.
- Stimmt die Treppe zwischen den Fertigfußböden? Aufbau, Belag, Fußpunkt, Austritt und Anschluss an die Decke.
- Was fehlt, das in keiner Zahl steht? Außentreppe, Dämmung unter der Platte, Bauteile in Blickrichtung. Ein Plan ohne Fehler kann trotzdem unvollständig sein.
- Sind die Zeichenregeln eingehalten? Darstellung über und hinter der Schnittebene, Türbögen, Koten, Brüstungshöhen.
- Passt der Plan zur Wirklichkeit des Grundstücks? Gelände, Grenzen, Abstandsflächen, Nordrichtung.
Für die Ausbildung: weniger Zeichnen üben, mehr Pläne prüfen. Ein angehender Bautechnischer Konstrukteur muss die Zeichenregeln weiterhin lernen, aber mit einem anderen Ziel: Er muss sie anwenden können, um einen Fehler zu sehen, nicht um eine Linie zu ziehen. Eine Übung, die sich aus diesem Versuch direkt ergibt: Lernende bekommen einen maschinell gezeichneten Plansatz mit eingebauten Fehlern und schreiben ihre Befunde auf, so wie ich es getan habe. Begründen müssen sie jeden Befund, und das ist genau die Fähigkeit, die das Fachgespräch der Abschlussprüfung bewertet.
Für die Debatte: Die Frage ist falsch gestellt. Ersetzt KI den Bautechnischen Konstrukteur? Dieser Versuch sagt: Sie ersetzt seinen Zeichenstift. Den Blick, der eine schwebende Firstpfette sieht, ersetzt sie nicht, jedenfalls nicht an diesem Haus, mit diesem Modell und an diesen zwei Tagen im Oktober 2026. Das Zeichnen ist von der Hand ins Auge gewandert, und dort wird es gebraucht.
Alle Befunde
Durchsicht 1 bis 4 am 12. Oktober 2026 um 15:27, 15:50, 16:05 und 16:15 Uhr; Einwände, die wenige Minuten nach einer Durchsicht nachgereicht wurden, zählen zu ihr. Spätere Einzelbefunde mit Uhrzeit.
| Nr. | Durchsicht | Befund | Gruppe |
|---|---|---|---|
| 1 | vor 1 | Traufpunkt fehlt als Höhenkote | B |
| 2 | 1 | Firstpfette nicht gelagert | A |
| 3 | 1 | Treppe nicht zwischen den Fertigfußböden gerechnet | A |
| 4 | 1 | Schraffuren als Rastermuster, nicht als Linien | C |
| 5 | 1 | Schraffuren überlagern sich | C |
| 6 | 1 | Gitternord statt Projektnord | B |
| 7 | 1 | Kote Unterkante Innenfundament neben das Fundament | C |
| 8 | 1 | Geländekote in die Reihe der übrigen Koten | C |
| 9 | 1 | Grundrisse vom Blattrand abrücken | D |
| 10 | 1 | Zeichnungstitel größer | D |
| 11 | 1 | Titel des Treppenschnitts an eine freie Stelle | D |
| 12 | 2 | Treppe über der Schnittebene gestrichelt | C |
| 13 | 2 | Türbögen falsch herum | C |
| 14 | 2 | Treppe vermaßen, Laufbreite und Lage | B |
| 15 | 2 | Titel über die Zeichnung | D |
| 16 | 2 | Koten nur als Zahl | C |
| 17 | 2 | Geländeoberkante als Linie | C |
| 18 | 2 | Senkrechte Maßkette im Schnitt entbehrlich | C |
| 19 | 2 | Untertitel entbehrlich | D |
| 20 | 2 | Fußpunkt der Treppe mindestens 20 cm breit | A |
| 21 | 2 | Austrittsstufe gehört zum Betonteil | A |
| 22 | 2 | Dämmung unter der Bodenplatte fehlt | A |
| 23 | 3 | Geländekoten entbehrlich | C |
| 24 | 3 | Legendenspalte entbehrlich | D |
| 25 | 3 | Deckenöffnung für die Austrittsstufe zu kurz | A |
| 26 | 3 | Querschnitt auf dem Blatt mittiger | D |
| 27 | 4 | Kein Strich unter der Kote im Grundriss | C |
| 28 | 4 | Brüstungshöhen an den Fenstern fehlen | B |
| 29 | 4 | Maßketten im Obergeschoss fallen in die Dachlinie | D |
| 30 | 4 | Geländelinie auch unter dem Haus | C |
| 31 | 4 | Laufplatte läuft nicht in die Unterkante der Decke | A |
| 32 | 4 | Lageskizze neben die Legende | D |
| 33 | 4 | Unterste Maßkette freistellen | D |
| 34 | 4 | Stufenbelag als dünne Linie, getrennt vom Rohbau | C |
| 35 | 12.10., 16:33 | Außentreppe zur Haustür fehlt | A |
| 36 | 13.10., 08:04 | Bauteile hinter der Schnittebene fehlen | B |