Drei Ebenen bei zwei Geschossen — und warum das stimmt

Unser Referenzhaus hat zwei Geschosse – und im IFC-Modell drei. Kein Fehler: Eine Ebene der räumlichen Struktur ist kein Geschoss im Sinne der Bauordnung. Wer das verwechselt, zählt falsch und prüft ins Leere.

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Dunkelgrüner Grund. Links: Zwei Geschosse. Drei Ebenen. Kein Fehler. Rechts ein Hausschnitt ohne Keller mit drei gestrichelten Ebenen: OG, EG und orange die Gründung unter dem Gelände.

Unser Referenzhaus hat zwei Geschosse. Im IFC-Modell hat es drei. Wer die Datei öffnet und nachzählt, findet unter dem Gebäude drei Einträge der Art IfcBuildingStorey: Gründung, Erdgeschoss, Obergeschoss. Das Haus selbst hat ein Erdgeschoss und ein ausgebautes Dachgeschoss mit Kniestock — und keinen Keller.

Das ist kein Fehler, sondern eine Entscheidung. Sie zeigt, dass eine Ebene im Modell und ein Geschoss im Sinne der Bauordnung zwei verschiedene Dinge sind, auch wenn das Wort dasselbe ist. Und sie hat Folgen für jeden, der aus einem Modell etwas herauszählen oder in einem Modell etwas prüfen will.

Wo die Zahl Ärger macht

Solange man ein Modell nur ansieht, stört die dritte Ebene niemanden. Sie liegt unten, sie ist fast leer, und in der Baumansicht des Programms ist sie eine Zeile mehr.

Ärger macht sie in dem Moment, in dem jemand zählt. Ein Auftraggeber möchte wissen, ob das Modell zu den Plänen passt, und vergleicht die Geschosszahl. Eine Auswertung verteilt Flächen und Mengen auf Geschosse und weist einer Ebene ohne Räume eine leere Zeile zu. Und wer eine Prüfregel schreibt — das Gebäude hat zwei Geschosse —, schreibt sie fast immer als Zählung: Wie viele IfcBuildingStorey hängen am Gebäude?

Die Antwort lautet drei, und die Regel schlägt an. Das Modell ist richtig, die Regel ist richtig gemeint, und trotzdem meldet die Prüfung einen Fehler. Jemand sucht ihn, findet keinen und schaltet die Regel ab. Damit ist sie für alle künftigen Fälle verloren, auch für den, in dem wirklich ein Geschoss fehlt.

Das Problem liegt nicht im Modell und nicht im Prüfwerkzeug. Es liegt in einer Gleichsetzung, die niemand ausgesprochen hat: dass eine Ebene des Modells ein Geschoss sei.

Ebene ist nicht Geschoss

Ein IFC-Modell ordnet ein Bauwerk in Stufen: das Projekt, das Grundstück, das Gebäude, darunter die Ebenen und darin die Räume. IfcBuildingStorey ist eine solche Stufe — ein Ort in der Gliederung, an dem Bauteile hängen. Jede Wand, jede Platte, jedes Fenster ist genau einer Ebene zugeordnet, und über diese Zuordnung findet man es wieder.

Ein Geschoss im Sinne der Bauordnung ist etwas anderes. Es ist eine Kategorie, nach der ein Gebäude beurteilt wird: wie hoch, wie viele Vollgeschosse, ob ein Dachgeschoss mitzählt. Unser Haus ist danach ein Gebäude mit einem Vollgeschoss und einem ausgebauten Dachgeschoss.

Die beiden Begriffe beantworten verschiedene Fragen. Die Ebene antwortet auf Wo hängt dieses Bauteil? Das Geschoss antwortet auf Wie wird dieses Gebäude eingestuft? Meistens fallen die Antworten zusammen — ein Erdgeschoss ist beides. Wo sie auseinanderfallen, sind beide trotzdem richtig.

Schematischer Schnitt durch ein Einfamilienhaus mit Satteldach, ohne Keller. Links drei Ebenen des Modells als gestrichelte Linien: Obergeschoss, Erdgeschoss und, hervorgehoben, die Gründung auf Höhe der Fundamente, nicht oberirdisch und ohne Räume. Rechts zwei Geschosse nach der Bauordnung: Erdgeschoss als Vollgeschoss und ausgebautes Dachgeschoss mit Kniestock. Unten: Ebene ist, wo ein Bauteil hängt; Geschoss ist, wie das Gebäude eingestuft wird.
Links die drei Ebenen des Modells, rechts die zwei Geschosse des Hauses. Beides beschreibt dasselbe Gebäude – nur mit verschiedenen Fragen.

Warum die Gründung eine eigene Ebene bekommt

Das Haus steht auf einem Streifenfundament mit Frostschürze. Es liegt unter allem anderen, und irgendwo muss es im Modell hängen. Drei Orte kommen in Frage.

Am Gebäude selbst, ohne Ebene. Das geht, aber dann ist das Fundament das einzige Bauteil, das außerhalb der Ebenen liegt — wer nach Ebenen filtert, verliert es.

Am Erdgeschoss. Auch das geht, aber dann enthält das Erdgeschoss ein Bauteil, das vollständig unterhalb seiner eigenen Bezugshöhe liegt. Die Ebene sagt dann über eines ihrer Bauteile etwas, das nicht stimmt.

Auf einer eigenen Ebene darunter. Das ist unsere Wahl. Die Ebene heißt Gründung, sie trägt das Fundament und sonst nichts: keine Räume, keine Wände, keine Öffnungen. Sie ist ausdrücklich als nicht oberirdisch gekennzeichnet. Sie ist ein Bezugsniveau, kein Stockwerk — und deshalb ändert sie an den zwei Geschossen des Hauses nichts.

Und warum die Bodenplatte trotzdem zum Erdgeschoss gehört

An dieser Stelle liegt die zweite Verwechslung, und sie ist leichter zu begehen als die erste. Die Bodenplatte ist erdberührt, sie liegt unten, sie gehört zur Gründung — so würde man es auf der Baustelle sagen.

Im Modell gehört sie zum Erdgeschoss. Der Grund ist die Bezugshöhe. Jede Ebene hat eine Höhe, und bei uns ist festgelegt, worauf sie sich bezieht: auf die Oberkante der Rohdecke. Für das Erdgeschoss ist das die Oberkante der Bodenplatte — genau die Fläche, auf der die Wände des Erdgeschosses stehen.

Eine Wand steht auf der Platte, nicht in ihr. Die Unterkante der Wand, die Oberkante der Platte und die Höhe der Ebene sind dieselbe Linie. Die Platte liegt damit auf der Bezugshöhe des Erdgeschosses, nicht darunter, und gehört dorthin. Unser Modellierwerkzeug legt eine Platte auch genau so an: Oberkante auf der Höhe der Ebene, die Dicke nach unten. Die Bodenplatte am Erdgeschoss braucht deshalb keinen Versatz, sie liegt von selbst richtig.

Für die Geschossdecke gilt dieselbe Regel. Man könnte sie dem Erdgeschoss zuschlagen, weil sie es nach oben abschließt. Aber ihre Oberkante ist die Bezugshöhe des Obergeschosses, und auf ihr stehen dessen Wände — also gehört sie zum Obergeschoss. Auch hier legt das Werkzeug die Platte von der Ebene aus nach unten an; am Erdgeschoss bräuchte sie einen Versatz um die ganze Geschosshöhe. Eine Platte gehört zu der Ebene, deren Boden sie ist.

Das hat eine Folge, die man sich merken sollte: Die Höhe der Ebene ist nicht die Höhe des fertigen Fußbodens. Auf der Bodenplatte liegen bei uns noch 12 Zentimeter Wärmedämmung und 5 Zentimeter Estrich, dazu der Belag. Der Fußboden, auf dem man steht, liegt also rund 17 Zentimeter über der Ebene, zu der er gehört. Wer die Ebenenhöhe für die Höhe des Fußbodens hält, macht diesen Fehler an jeder Treppe, jeder Brüstung und jeder Türhöhe.

Was Sie damit anfangen können

1 · Zählen Sie nicht die Ebenen, sondern die Geschosse.

Wer prüfen will, ob ein Modell die richtige Zahl an Geschossen hat, braucht ein Merkmal, das Geschosse von Bezugsniveaus unterscheidet. Zwei bieten sich an:

  • Trägt die Ebene Räume? Eine Gründungsebene trägt keine; ein Aufenthaltsgeschoss trägt mindestens einen.
  • Ist sie als oberirdisch gekennzeichnet? IFC sieht dafür eine Eigenschaft vor, AboveGround im Eigenschaftsset Pset_BuildingStoreyCommon. Bei uns steht sie für Erd- und Obergeschoss auf wahr und für die Gründung auf falsch.

Die Prüfregel lautet dann nicht drei Ebenen, sondern zwei Ebenen mit Räumen. Sie misst, was gemeint war.

2 · Legen Sie für jede Ebene drei Angaben fest — schriftlich.

Angabe Wo sie steht Bei uns
NameAttribut der EbeneGründung · Erd­geschoss · Ober­geschoss
Höhe — und worauf sie sich beziehtAttribut ElevationOberkante Rohdecke
Ober­irdisch oder nichtEigenschaft AboveGroundfalsch · wahr · wahr

Die zweite Zeile ist die wichtigste, und am häufigsten fehlt ihr zweiter Teil. Eine Höhe ohne Bezug ist eine Zahl, die jeder anders liest. Ob Rohdecke oder Fertigfußboden: Beides ist vertretbar, aber es muss für alle Ebenen gleich und für alle Beteiligten nachlesbar sein.

Dass Name und Höhe Attribute sind, AboveGround dagegen eine Eigenschaft in einem Set, ist kein Zufall. Es ist genau die Unterscheidung, um die es in Ein Modell lässt sich nicht attribuieren ging.

3 · Schreiben Sie die Zuordnungsregel auf, bevor das erste Bauteil steht.

Was steht, hängt an der Ebene, auf der es steht. Eine Platte hängt an der Ebene, deren Boden sie ist.
Bauteil Ebene weil
Streifen­fundamentGründungliegt unter jeder Bezugshöhe
BodenplatteErd­geschossauf ihrer Oberkante stehen die Wände des Erdgeschosses
Wände, Fenster, Türen, Treppe im ErdgeschossErd­geschosssie stehen auf dieser Ebene
Geschoss­deckeOber­geschossauf ihrer Oberkante stehen die Wände des Obergeschosses — nicht: sie schließt das Erdgeschoss ab
Wände und Kniestock im Dachgeschoss, DachtragwerkOber­geschosssie stehen auf der Geschossdecke

Warum vorher und schriftlich: Wo ein Werkzeug den Bezugspunkt eines Bauteils setzt, entscheidet das Werkzeug — nicht das Projekt. Wer die Regel nicht festhält, übernimmt stillschweigend die des Werkzeugs, und das nächste Büro mit einem anderen Werkzeug übernimmt vielleicht eine andere. Die Tabelle gehört in die Modellierungsrichtlinie des Projekts, dorthin, wo auch Namen und Bezugshöhen stehen.

Was daran allgemein ist

Ein Modell beschreibt ein Gebäude nicht in den Begriffen, in denen man über Gebäude spricht, sondern in denen, mit denen man es ordnen und wiederfinden kann. Meistens decken sich beide. Wo nicht, gewinnt nicht der vertrautere Begriff, sondern derjenige, der zur Frage passt.

Wer ein Modell auswertet, sollte deshalb wissen, welche Frage seine Zählung eigentlich stellt. Wie viele Ebenen? ist eine Frage an die Gliederung. Wie viele Geschosse? ist eine Frage an das Gebäude. Ein gutes Modell beantwortet beide — aber nur, wenn man ihm die richtige stellt.


Alle Festlegungen dieses Beitrags stammen aus der Modellierungsrichtlinie und den Objektanforderungen des Referenzprojekts. Wie man eine Regel wie „zwei Ebenen mit Räumen“ so aufschreibt, dass eine Maschine sie prüfen kann, ist Stoff eines eigenen Beitrags.

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